Funktion der Harmonika

Warum werden Ihre Harmonika-Gehäuse furniert und nicht aus Massivholz gebaut?

Wie funktioniert die Tonentstehung generell

Spannt man etwa eine Gitarrensaite zwischen den Händen und zupft sie an, ist kaum ein Ton zu hören. Erst dadurch, dass die Saite am Instrument Ihre Vibration auf die Gitarrendecke überträgt und diese ähnlich einer Lautsprecher-Membran in Schwingung versetzt, entsteht ein hörbarer Ton.
Legt man dagegen eine Harmonika-Stimme an die Lippen und bläst sie an, ist sofort ein deutlicher, klarer Ton zu hören. Das Prinzip der Tonentstehung bei der Zungeninstrumenten ist ja recht ähnlich wie bei der Lochsirene: Ein konstanter Luftstrom wird durch die Schwingung der Stimmzunge rhythmisch zerhackt und damit die Schallwelle (Luftdruckwelle) direkt an der Stimmzunge erzeugt.
Bei Saitenmusik-Instrumenten bemüht man sich, die Vibration der Saite möglichst effektiv über den Steg an die Gehäuse-Decke weiterzuleiten. Die Decke von Saitenmusik-Instrumenten wird fein auf geringe Stärke und Schingungs-Fähigkeit ausgearbeitet.Das Harmonika-Gehäuse ist dagegen viel dicker und massiver, die einzelnen Teile sind allseitig fest eingespannt. Bei Instrumenten mit durchschlagender Zunge sind die Stimmplatten dagegen mit den Stimmstöcken als stabiler Block verbunden. Eine Schwingung der Stimmstöcke ist tunlichst zu vermeiden. Allein deshalb, weil sonst keine regelmäßige Schwebung zu erreichen ist, die ja für den Klang von Akkordeons und Harmonika so typisch ist. Könnten die Stimmstöcke mitschwingen, dann würden sich die Stimmzungen synchronisieren (in Resonanz gehen) wie es im Modellversuch bei gekoppelten Metronomen, die in verschiedener Frequenzen und Phasenlage schwingen, zu beobachten ist.

Gibt es im Sortiment ein Massivholzinstrument?

Öllerer baut ja keine fix vorgegebenen Modelle sondern im Rahmen eines Baukasten-Systems kundenspezifisch angefertigte "Harmonikas nach Maß". Wie bei allen anderen Harmonika-Herstellern bestehen unsere Stimmstöcke aus einer Kombination verschiedener Hölzer: Buche für die Stimmstock-Sohle, feinringig gewachsene Fichte mit stehenden Jahresringen für die Kanzellen-Wände und Erle für den Stimmstock-Rücken. Das Gehäuse besteht bei unseren Harmonikas in der Regel aus kreuzweise verleimten Furnierblättern (=Sperrholz). Holz quillt und schwindet bei wechselnder Holzfeuchtigkeit in Faser-Querrichtung durchschnittlich zehnmal so stark wie in Faser-Längsrichtung. Dadurch, dass die Holzschichten kreuzweise verleimt werden, wird die stärkere Größenänderung in Querrichtung "abgesperrt" daher auch der Name "Sperrholz".
Vorteil: Man kann leicht, trotzdem stabil aber auch einfacher bauen. Für die oberste Schicht kann man auch sehr lebhaft gemaserte, knorrig gewachsene Furniere verwenden. Derart lebhaftes Holz arbeitet auch stark. Die Gefahr, dass Risse entstehen wäre bei massiver Bauweise sehr groß. Den Aufwand, den wir uns durch den Einsatz von Sperrholz sparen, können wir zum größeren Nutzen für den Kunden effektiver und gewinnbringender in Form von besten Stimmenmaterial und sehr aufwändiger Stimm-Arbeit investieren. Bei uns wird jede Stimmzunge nach alter Handwerkstradtion nach dem Vorstimmen am Stimmtisch im Instrument in eingebauten Zustand feingestimmt.
Massivholz-Gehäuse fertigen wir in jenen Fällen, in denen das Gehäuse mit Schnitzerei versehen werden soll, aber nicht um einen besseren/anderen Klang zu erreichen. Wir verwenden dafür Ahorn-, Linden-, Apfel- oder Birnen-Massivholz. Ein Beispiel: Ornamentschnitzerei auf Ahorn-Massiv-Gehäuse.

Weitere Informationen zur Tonentstehung

  • Youtube Video 1
  • Youtube Video 2 (interessant ab 1:15)
  • Youtube Video 3
  • Zu beachten: Die Metronome synchronisieren sich, wenn sie auf einer labilen Unterlage stehen. Auf einer festen Unterlage geschieht das nicht. Stimmzungen erzeugen nicht nur Luftschall (durch das Zerhacken des Luftstroms), sondern auch Körperschall. Ausschließlich der Körperschall ist als leises "Ping" zu hören, wenn man eine Stimmzunge nicht anbläst, sondern anzupft. Den Körperschall könnte man durch Wahl geeigneter Bauformen und Holzarten verstärken. Das "Ping" würde dadurch lauter. Dann würde allerdings keine Harmonika, sondern eine Kalimba oder bei weiterer Optimierung, eine Sansula entstehen. Bedeutung hat der Körperschall bei den für die Steirische typischen Helikonbässen, hier ist er als Komponente des Gesamtklangs deutlich wahrzunehmen. Rein der Körperschall der Helikonbasszungen ist zu hören, wenn sie nach loslassen eines Bassknopfes und schließen der Klappe noch nachvibrieren.

    Gibt es klangliche Unterschiede?

    Keine relevanten.
    Wir gestalten den Klang unserer Harmonikas durch Wahl geeigneter Tremolo- bzw. Schwebungs-Stufen und durch Wahl geeigneten Stimmzungen-Materials. Um den vom Kunden gewünschten Klang zu erreichen ist für uns auch die Wahl des Diskantverdecks mit geeignetem Öffnungsgrad wichtig. Mehr oder weniger geschlossene Holzverdecke als Alternative zum Metallverdeck filtern Obertöne aus und machen den Klang milder, weicher, Grundton-betonter. Aber auch hier schwingt das Holz des Verdecks nicht mit wie eine Geigen/Gitarrendecke oder ein Klavierboden, sondern dämpft und filtert den Ton eher. Man könnte auch andere Materialien verwenden. Wichtig ist neben dem Öffnungsgrad die Rauheit und Härte der Oberfläche.

    Kann man unterschiedlichen Holzarten unterschiedliche klangliche Eigenschaften zuschreiben?

    Bei der Verwendung an den Stimmstöcken und am Basskasten-Einsatz ja. Harte Hölzer klingen "hart", weiche "weich". Bei der Verwendung für das Gehäuse kaum.

    Ist die Verarbeitung von Holz in der Harmonika unerlässlich?

    Wirklich unerlässlich nirgends. Billige Akkordeons haben Plastik-Stimmstöcke. Sie klingen schrill, aber sie klingen.